Die Mitsubishis des Honda-San

… oder : Wie Kiyoshi Honda die Marke Mitsubishi über Jahrzehnte geprägt hat. Ein Interview mit dem japanischen Chef-Designer, der über Jahrzehnte das Gesicht der Marke Mitsubishi mitbestimmt und den Pajero zum Welterfolg gemacht hat.

Kiyoshi Honda

Der Querlenker: Honda-San, Sie haben bei Mitsubishi Motors im Design-Department gearbeitet und das Gesicht der Marke stark geprägt. Wann war das und welche Positionen haben Sie bekleidet?

Kiyoshi Honda: Ich war von 1970 bis 2000 bei der Mitsubishi Motors Corp. tätig, primär in der „Passenger Car Design Division“. Ich war verantwortlich für das Exterieur, das Interieur und das Farb-Design, mein Arbeitsplatz war das „Car Product Design Office“ in der Aichi Präfektur in Japan.

Der Querlenker: Welche Modelle haben Sie gestaltet?

Kiyoshi Honda: Das erste Modell, bei dem ich als „Key Designer“ eine große Rolle gespielt habe, war der Galant Sigma, der 1976 auf den Markt gekommen ist. Wobei ich da nicht das gesamte Exterieur gestalten durfte, aber das „Front End Design“:

Beim Facelift (siehe unten) war ich dann schon tiefer involviert. Auch der Galant Lambda der zweiten Generation, der in Europa als Mitsubishi Sapporo lief, ist aus meiner Feder.

Und das weltweit erfolgreichste Auto meiner Laufbahn war der Pajero der ersten Generation, der 1982 debütierte. Von 1983 bis 1987 war ich dann als Manager des „Cypress Design Studio of Mitsubishi Inc.“ in Kalifornien tätig. Dort war ich primär dafür verantwortlich, das Design-Studio mit aufzubauen.

Zurück in Japan, durfte ich das Facelift des sehr erfolgreichen und in der Szene so beliebten Galant E30 gestalten.

Der Querlenker: Erinnern Sie sich an ein bestimmtes Modell oder eine Aufgabe in Ihrer Laufbahn als Designer, das Ihnen besondere Freude bereitet hat?

Kiyoshi Honda: Definitiv der Pajero der ersten Generation. Beim Pajero L040 hatte ich das erste Mal die Chance, ein Auto von einem weißen Blatt Papier aus zu gestalten. Alle Fahrzeuge davor hatten entweder Vorgänger, an denen ich mich orientieren musste, oder waren Facelifts basierend auf bestehenden Designs. Es war sehr herausfordernd und spannend, Funktionalität und Ästhetik zu vereinen und das limitierte Budget nicht zu sprengen. Hier habe ich Ihnen ein paar Design-Skizzen mitgebracht, an denen man, basierend auf der Pajero-II-Studie, die Entwicklung hin zum Serienmodell nachvollziehen kann.

Während der Entwicklungs-Phase hat der Pajero nicht viel Aufmerksamkeit im Konzern genossen, da die geplanten Stückzahlen sehr niedrig gesetzt waren. Das Management rechnete mit sehr geringen Stückzahlen auf den unterschiedlichsten Märkten. Wie wir heute wissen, war der Pajero schon kurz nach seiner Präsentation ein riesengroßer Erfolg und ist immer noch einer der meistverkauften Geländewagen weltweit. Auch wenn er leider nicht mehr produziert wird.

Der Querlenker: Bei vielen japanischen Fahrzeugen ist über den Entwicklungsprozess oder die Designer nur sehr wenig bis gar nichts bekannt. Gibt es einige maßgebende Designer, die bei Mitsubishi für bekannte und beliebte Fahrzeuge verantwortlich waren?

Kiyoshi Honda:

Als erstes fällt mir da Shinichi Mitsuhashi ein. Sein Entwurf für die erste Generation des Mitsubishi Galant wurde im Wettbewerb mit Giorgetto Giugiaro ausgewählt. Das war 1968 und für einen japanischen Designer eine große Auszeichnung. Unter seiner Führung entstand das frühe „Styling Image“ der Marke Mitsubishi. Er war es auch, der den 1976er Galant Sigma entworfen hat, bei dem ich die Schnauze machen durfte. Von 1985 – 1989 war er „General Manager of Design“ bei Mitsubishi.

Aber auch Masao Oshima war ganz maßgeblich am Aufstieg Mitsubishis in den 1970er und vor allem 1980er Jahren beteiligt. Das Galant GTO R73-X Concept Car etwa, das auf der Tokyo Motor Show 1972 für Furore sorgte, ist aus seiner Hand. Aber sein größter Wurf war wohl der Colt/Mirage der ersten Generation. Als der auf der Tokyo Motor Show 1978 debütierte, kam Chuck Jordan, der Chefdesigner von General Motors, zu uns auf den Stand und lobte Oshima sehr für seine tolle Arbeit. Ihm gefiel der erste Colt ausgezeichnet. Auf der 49. Geneva Auto Show 1979 wurde der Colt dann als schönster Dreitürer ausgezeichnet.

Der Querlenker: Ich dachte, der erste Colt wäre von Aldo Sessano?

Kiyoshi Honda: Ich weiß, dass es einige Webseiten gibt, auf denen der erste Colt/Mirage als Sessanos Werk bezeichnet wird. Ich höre das auch immer wieder Das stimmt aber nicht. Der erste Colt/Mirage ist von Masao Oshima. Aldo Sessanos erstes Modell von Mitsubishi war der Lancer der zweiten Generation.

Der Querlenker: Haben Sie mit Aldo Sessano zusammen gearbeitet?

Kiyoshi Honda: Wir standen bei der ersten Generation des Mitsubishi L200/Strada im direkten Wettkampf, den ich für mich entscheiden konnte. Wir haben uns öfter getroffen, aber zusammen an einem bestimmten Modell gearbeitet haben wir nicht.

Kiyoshi Honda bei der Arbeit

Der Querlenker: Sie haben auch das populäre Sportcoupe Mitsubishi FTO gestaltet?

Kiyoshi Honda: Nein. Ich werde zwar immer als Designer des FTO genannt, aber in Wahrheit hat ihn Eiichi Okuma unter meiner Supervision gezeichnet. Ich habe für das Projekt FTO lediglich eine Skizze abgeliefert, da uns ein anderer Designer aus dem Team überraschend verlassen hat. Aber diese Skizze wurde nicht ausgewählt. Daher freut es mich, diesen Irrtum endlich gerade rücken zu können und Eiichi Okuma die Ehre zuteil werden zu lassen, die ihm gebührt.

Der Querlenker: Der Mitsubishi Carisma war auch Teil Ihrer Karriere, oder?

Kiyoshi Honda: Von 1993 bis 1998 war ich Vize-Präsident vom Mitsubishi Design Center in Trebur in Deutschland. In diese Zeit fiel auch der Carisma. Das Design des Carisma-Facelift habe ich mit meinem Team auf die Räder gestellt. Aber die maßgeblichen Designer für das Exterieur waren Mikael Cazzato, der jetzt bei BMW arbeitet, und Omer Halilhodžić.

Der Querlenker: Besten Dank für Ihre Zeit und Mühe, Honda-San. Es war sehr spannend. Ich bin mir sicher, Ihre Ausführungen werden vielen Fans der Marke Mitsubishi große Freude bereiten.

Aber das war es noch nicht mit sensationellem Content. Es wird ein zweites Interview folgen. Dann mit Eiichi Okuma, der unter anderem die Modelle Galant E50, Carisma und FTO gezeichnet hat. Freut euch drauf!

Wie immer exklusiv auf querlenker.net.

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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