Manchmal denk i no an di

Zwanzig Jahre Führerschein, zwanzig Jahre promiskuitive Fuhrpark-Gestaltung. Aber an so manches Erlebnis mit der einen oder anderen Kiste denkt man doch ganz gern und mit einem Schmunzler zurück.

Maturaball im Jänner, – 16°C, sternenklare Nacht. Es geht auf den Morgen zu, die letzten Gäste treten den Heimweg an. Auch die Band hat bereits weggeräumt und verlädt ihre Instrumente in den schwarz gerollten MB 100D, als plötzlich der Schlagzeuger zu uns in die Weinbar kommt. Der Bus springt nicht an, es ist ihm zu kalt. Alle Blicke fallen auf mich, bin ich doch auch damals schon als „DER Autospinner“ verschrieen. Also los, raus und dann schauen wir mal. Mein erstes Auto, ein damals 9 Jahre alter Pajero, steht komplett vereist und einsam auf dem Parkplatz. Aber dank zwei Batterien springt er immer an.

So auch in dieser Nacht. Gut, das Kupplungspedal hat sich beim ersten Tritt dafür entschieden, am Boden zu bleiben und die Scheibe war nach dem dritten Ausatmen auch innen vereist. Aber nach manuellem Herausziehen der Kupplung, zweimal Vorglühen und einigen langsamen Umdrehungen melden sich 2 oder 3 Zylinder zum Dienst, eine heftige Rußwolke kündigt ihre Dienstbereitschaft an. Als dann nach ein paar Gasstößen alle 4 Häferln arbeiten, geht alles ganz schnell. Das Abschleppseil an den MB 100D und los geht die Fahrt. In der Untersetzung schleift der treue Paji den Kleinbus zunächst mit blockierenden Rädern über den Schnee. Als die Handbremse dann auch nachgibt und sich die Räder wieder drehen, ist es nur noch eine Frage von einigen Metern und der Benz läuft. Unter lautem Gejubel und Applaus meiner bibbernden Mitschüler ziehe ich den Band-Bus vor die Festhalle und verabschiede mich – zur wohlverdienten Gulaschsuppe. Schließlich dämmert es schon…

Ziemlich genau 10 Jahre später sitze ich in meinem Volvo S80. Ein konservativer Zwovierer-Sauger mit Automatik in der Fehlfarbe Fjordblau. Mit den besten Sitzen, die ich je in einem Auto erlebt habe. Es geht von Wien in die Steiermark. Und weil ich Zeit habe, lasse ich die S6 links liegen und entscheide mich für eine Tour über den Eibeggsattel, der alten Zeiten willen. Eine einspurige Bergstraße, die das Mürztal mit Breitenau am Hochlantsch verbindet. Wenig Verkehr, kaum Anrainer. Was von Vorteil ist, denn die Natur ruft. Also kurz vor der Passhöhe eine kleine Pause. Als ich nach drei Minuten wieder einsteige und weiterfahren will, springt er wie erwartet problemlos an, stirbt dann aber sofort wieder ab und macht fortan keinen Muckser mehr. Super… Griff zum Handy, da muss wohl der ARBÖ her. Aber – kein Empfang. Na schee Oasch! Und so steht der alte Schwede mit offener Haube in der Kehre und schaut doof aus der Wäsch´. Ähnlich wie ich, der zu Fuß den Weg auf die Passhöhe angetreten hat. In der Hoffnung auf Handyempfang.

Der sich wirklich einstellt und so kann ich den Pannendienst rufen. Der natürlich nicht erfreut ist, dass der Wagen am A der Welt steht. Tja, was solls. Am Margarethengürtel bleib ich nicht zum Bieseln stehen… Nach fast zwei Stunden ist es dann soweit, der gar nicht so nette Herr vom ARBÖ schaut sich das Ding kurz an, stellt ein Elektronikproblem fest („Vielleicht der Nockenwellen- oder Kurbelwellen-Sensor?“) und meint, da hilft nur der Abschlepper. Aber da herauf sollte man den nicht bemühen, das wäre zu weit weg vom Schuss. Da es bergab geht, kommt uns gemeinschaftlich eine Idee. Wie drehen das Ding händisch um, so dass es talwärts steht. Die Automatik auf N und dann lass ich rollen. Und wirklich… Es geht so konstant bergab, dass die Kiste mit Schwung knapp 10 Kilometer bis in die nächste Ortschaft „fährt“, wo ich auf einem Supermarktparkplatz ausrolle. Leider war das der Beginn einer Pannenserie, die meine Beziehung zum S80 schon nach 5 Monaten wieder beendet hat.

Aber manchmal denk i no an di…

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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