Das Beste aus „The way of drive“ – Teil 1

Ab sofort gibt´s jeden Mittwoch einen Rückblick auf die beliebtesten Artikel von „The way of drive…“. Meinem ersten Versuch, mir als Motorjournalist einen Namen zu machen. Ausgezeichnet mit dem „Goldenen 07er-Kennzeichen 2015“.

Einer der beliebtesten Artikel meines ersten Blogs (<- anklicken) war und ist eine zaghafte Annäherung an den Mercedes-Benz W210, geschrieben im Sommer 2011. Die umstrittene, als Rostlaube gefürchtete und in der Szene verleugnete E-Klasse der späten 90er war damals grad im tiefsten Tal der Verbrauchtwagen angelangt. Aber lest selbst:

W210, der geschmähte Klassiker?

Erstellt am Juli 11, 2011 von Lukas

Als gegen Ende 1995 die ersten Exemplare der damals neuen E-Klasse der Baureihe W210 zu den Händlern rollten, war der Aufschrei groß! Eine E-Klasse mit Vieraugen-Gesicht und Rückleuchten in Spiegelei-Optik, was haben sich die Schwaben bloß dabei gedacht… Wie bei jedem Modellwechsel hörte man sie jammern, die Traditionalisten. Der W210 wäre kein richtiger Mercedes mehr, optisch wie ein Koreaner und keinesfalls in der Lage, seine beliebten Vorgänger W123 und W124 zu beerben.

Einige Jahre nach dem großen Aufschrei, mittlerweile hatte man sich an das Vieraugen-Gesicht gewöhnt, weitere Modelle wie zum Beispiel der CLK kamen mit dieser umstrittenen Visage auf den Markt, kam dann der nächste Schlag für den W210 und damit das endgültige Image-Tief! Denn viel zu früh nagte der Rost an Türen, Hauben und dem Vorderachsträger. Nach 6 bis 8 salzreichen Ösi-Wintern sah so mancher ungepflegte W210 aus wie ein nigerianischer Fischkutter. Mercedes tauschte großzügig Türen, Hauben und Heckdeckel aus, lackierte auf Kosten des Hauses ganze Autos neu, doch der Ruf des W210 war bereits ruiniert. Auch weil nachgebesserte Autos nach einigen wenigen Wintern wieder zu rosten begannen, an den bereits lackierten Stellen und an ganz neuen Stellen leider auch.

Doch die Modellpflege (MoPf) im Jahr 1999 sollte die Wende bringen, der 210er wurde eleganter, bekam mehr Elektronik im Innenraum und neue Motoren, doch damit fingen viele Probleme erst an. Die Rostvorsorge wurde leider trotz anders lautender Beteuerungen von Seiten des Werks nicht besser, mit dem Multifunktionslenkrad samt Bordcomputer zogen Elektronikprobleme und Pixelfehler am Instrumentenbrett  ein und viele andere Kleinigkeiten rund ums Auto sorgten für Frust und schlechte Laune. Beim Modellwechsel zum W211 im Jahr 2002 weinte dem 210er niemand auch nur einen Träne nach.

Den Ausschlag für diesen Artikel gab ein Satz in der aktuellen Youngtimer 3/2011, in der Alf Cremers im Pseudo-Vergleich W123 gegen W124 T-Modell „Qualitativ sitzt er (der W124, Anmerkung des Autors) sogar locker den 210er aus, der – obwohl jünger – schon angezählt ist.“ schreibt. Doch ist der W210 wirklich so schlecht, wie alle sagen? Ein Rückschritt im Vergleich zum Vorgänger, ein „stilloses Problemauto mit Asiatenoptik“, wie es ein Mechaniker mir gegenüber ausdrückte?

Ich habe den W210 immer als ausgesprochen angenehmen, besonders im Innenraum klassisch eleganten großen Wagen empfunden, auch wenn ich nie einen besessen habe. Vielleicht werde ich mir einmal einen kaufen, auszuschließen ist es nicht. Denn als Vorreiter des Vieraugen-Gesichts gebührt dem W210 ein Platz im Youngtimer-Universum genauso wie einer in den Geschichtsbüchern der Marke mit dem Stern.

Neun Jahre nach Produktionseinstellung sind immer noch viele E200 CDI und E220 Diesel mit Laufleistungen jenseits der 600.000km im Taxialltag unterwegs, zahlreiche Pensionisten schwören auf ihre gehegten und gepflegten E200 Classic und gar nicht so wenige Muttis kutschieren die Kinder der Nachbarschaft und natürlich auch die Eigenen im E290 Turbodiesel T-Modell in die Schule und zum Sportunterricht.

Wählt man ein gut gepflegtes Exemplar mit seriöser Vorgeschichte und konservativer Technik (Wirbelkammer-Diesel, kleine Benziner), im Idealfall noch als Vor-MoPf, kann man auch mit dem W210 glücklich werden. Denn dann fallen die Probleme neuer Autos (Injektoren, Hochdruckpumpen, Elektronikausfälle usw.) weg, man muss nur den Rost im Auge behalten und sich mit all den Problemchen (defekte Fensterheber, tote Schiebedächer, Verschleiß usw.) herumschlagen, die andere Autos auch entwickeln, wenn sie alt werden.

Hat es der W210 verdient, gemoppt und verlacht zu werden? Oder handelt es sich bei diesem Wagen um eine der meistunterschätzten Baureihen von Mercedes-Benz?

Eure Meinung interessiert mich sehr, hinterlasst ein Kommentar und teilt mir eure Meinung mit! Ich bin sehr gespannt drauf!

Das spannende an diesem Artikel war neben der großen Zahl an Aufrufen auch die Mengan Kommentaren, die selbst Jahre später noch eintrudelten. Viel Lob für den unverstandenen und wohl zu Unrecht verschmähten W210. Aber natürlich auch Kritik an Daimler.

Und heute? Zehn Jahre später spielt der W210 im Straßenbild keine Rolle mehr. Auch wenn die Preise für den E50/E55 AMG als Sammlerstück schon steigen. Und hat es der W210 denn nun verdient, gemoppt und verlacht zu werden?

Ich weiß es nicht. Aber ich mache euch ein Angebot. Wenn dieser Artikel mehr als 20 Kommentare bekommt – natürlich von mehr als 20 verschiedenen Personen, Sorry Oma! – dann wage ich den Selbstversuch.

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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