Neugebauers bestes Stück

Es gibt kein Entkommen! Jedes Jahr zum Muttertag flimmert der gleichnamige Kultfilm aus dem Jahr 1993 über unsere TV-Geräte. Und damit auch das Familienauto der Neugebauers.

Edwin Neugebauer, der tragische Held des Films, ist der Homer Simpson Österreichs. Der Prototyp des durchschnittlichen ostösterreichischen Familienvaters, der fast alle Klischees in sich vereint, die sich finden lassen. Chronisch notgeil, überfordert mit der familiären Situation, gefangen im Konkurrenzdenken gegenüber jüngeren Männern, genervt von seinem betagten Vater. Und er träumt vom neuen Toyota Carina E mit Magermotor. Tja, wer tut das nicht…

Einer der stillen Helden des Films ist aber das Familienauto der Neugebauers. Ein relativ selten verkaufter und heute komplett vergessener Bürgertraum – der Honda Quintet aus den frühen 1980er Jahren. Er fährt öfters durchs Bild, sein Innenraum ist Schauplatz einiger peinlicher Situationen. Doch die Chance, dass er von Nicht-Japan-Oldie-Spinnern erkannt wird, geht heute gegen Null.

Im Endeffekt ein fünftüriger Honda Civic mit großer Heckklappe und dem Antriebsstrang vom ersten Accord. Schon damals nur in homöopathischen Dosen verkauft, ist er schnell in Vergessenheit geraten. Primär, weil es halt auch nur ein weiteres Auto unter vielen war. Mit Quermotor und Frontantrieb konnte er die Fahrdynamiker nicht abholen und obwohl er ein paar Jahre früher dran war, verkaufte sich der Toyota Corolla Liftback deutlich besser. Der Quintet galt als der Biedermann im Honda-Programm der frühen 80er. Der Langeweiler unter ambitionierten Modellen wie dem knackigen Civic, dem hochklassigen Accord und dem sportlich-luxuriösen Prelude. Quasi der Edwin Neugebauer auf vier Rädern.

Aber warum erinnert sich niemand an den Honda Quintet, gebaut von 1980 bis 1985?

Weil es halt einfach nur ein weiteres Auto unter vielen war. Als fünftürige Kompaktklasse mit Heckklappe ideal für Alltag und Familie, aber nicht besonders sexy. Dank Reihenvierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum und 80PS günstig im Unterhalt und ausreichend flott motorisiert, aber kein Pulsbeschleuniger. Und als Fronttriebler gutmütig und fahrsicher, aber keine Fahrspaß-Maschine. Hinzu kommt die geringe Verbreitung und et voila, er ist aus den kollektiven Gedächtnis einfach verschwunden.

Wer stellt sich sowas 40 Jahre nach Auslieferung als Liebhaberauto hin, wenn er denn ein überlebendes Exemplar findet?

Wohl nur jemand, der persönliche Erinnerungen damit verbindet. Der auf der Rückbank eines Quintet aufgewachsen ist, egal ob es das Auto der Eltern oder des geliebten Opas war. Vielleicht auch jemand, der in den 90ern einen Quintet als erstes Auto hatte und sich jetzt wieder so fühlen möchte wie vor fast 30 Jahren. Also all jene Beweggründe, die auch bei einem Nissan Sunny, einem Mazda 626, einem Mitsubishi Lancer oder einem Toyota Carina E mit Magermotor zum Tragen kommen.

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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