Ja, es kommt tatsächlich vor. Ich habe mich geirrt. Habe jahrelang eine Meinung vertreten, die offensichtlich nicht fundiert war, sondern auf einem Einzelfall beruhte. Das muss ich geraderücken.
Seit 2010 ist eine sehr originale Toyota Supra MK3 3.0i Turbo mit Schaltgetriebe der ersten Serie von 1987 in meiner Familie. Ein unfallfreies, unverbasteltes, top gepflegtes Exemplar mit momentan knapp 78.000 belegbaren Kilometern auf dem Zählwerk.

Obwohl das Ding meinem Vater gehört, habe ich den Großteil der Kilometer damit zurückgelegt. Und wenn man mich auf Treffen gefragt hat, wie das so fährt, musste ich immer tief Luft holen… Klar, 235 Pferdestärken sind heute nicht mehr das, was sie vor fast 40 Jahren mal waren. Er ist kein Sportwagen, er ist ein Gran Turismo im Wolfspelz. Soweit, so richtig.
Und dann war da immer das Thema Fahrwerk. So richtig glücklich war ich damit nie. Hab erzählt, dass die Supra nicht gut fährt. In Kurven unruhig ist, ständiges Nachkorrigieren erfordert. Der Geradeauslauf war auch nicht prickelnd, beim starken Beschleunigen ist sie oft nach rechts abgebogen. Man hat es aufs Alter geschoben. „So war das halt, früher…“ Beim Pickerl ist der Werkstatt, die das Fahrzeug bisher betreut hat, nie etwas aufgefallen. Alle Lager und Gelenke gut, kein Spiel. Ich solle nicht so heikel, sondern etwas toleranter mit der alten Dame sein. Ist ja schon alt.

Und dann steht sie plötzlich auf der Bühne von Franz Windhaber Junior, dem Guru für alte Japaner, in Stubenberg am See. Auch er hört sich geduldig mein Gejammer über das schlechte Fahrwerk an, schließlich bin ich auf einer kurvigen Strecke angereist. Und als ich erwähne, dass mein gleich alter Mazda 929 HC um Welten ruhiger und präziser fährt – im Vergleich mit der Supra wie auf Schienen – da reicht es ihm. Er misst nach und stellt fest…
… dass bei der Supra gar nichts passt. Die Hinterräder haben eine massive Vorspur, die Vorderräder eine Nachspur. Kein Wunder, dass das Ding nicht gut fährt. Geht gar nicht, sagt er. Erklärt mir, was mit der Hinterachs-Spur während der Beschleunigung beim Hecktriebler passiert, wie die Spur der Vorderachse beim Lastwechsel reagiert. Und macht sich ans Werk, die Misere zu korrigieren. Gut, dass die alte Dame nie Salz gesehen hat. Alle Schrauben gehen wunderbar auf, jedes Rad lässt sich fein ver- und einstellen. Nach einer guten halben Stunde schickt er mich auf Probefahrt und was soll ich sagen…

Ja, ich hab der Plattform unrecht getan. Nein, die Supra MK3 fährt nicht per se unruhig, wackelig oder indifferent. Es war nur dieses Exemplar ein schlechtes Beispiel. Bis jetzt. Denn bei der Probefahrt bin ich in einem völlig anderen Auto gesessen. Plötzlich fährt das wie auf Schienen geradeaus, erfordert in schnellen Kurven kein Nachkorrigieren mehr, lässt deutlich höhere Kurventempi zu und fühlt sich Jahrzehnte jünger an als vorher. Die Heimfahrt hat mir Spaß gemacht wie noch nie zuvor.
Bloß warum das vorher noch niemandem aufgefallen ist, bleibt rätselhaft. Aber bevor mich das Gefühl beschleicht, man hätte meine Kritik bisher nicht ernst genommen, dreh ich noch eine Runde.
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