Italien im November?

Es gibt Tage, da muss die Seele fliegen und das Herz freigelassen werden. Einfach raus, einfach weg. Alleine, anders funktioniert es nicht.

Aber Spaziergänge im Stadtwald sind zuwenig. Also ab ins Auto, mit einem groben Ziel im Kopf. Und weg. Warum nicht im November nach Norditalien? Tempomat auf gemütlich, der ganze Tag liegt vor mir, ich bin alleine. Frei. Sehe manches klarer, weil der Abstand zum täglichen Umfeld gut tut. Ich merke, wie ich tief drinnen ganz ruhig werde. Nachdenklich. Der stete Fluss der Straße packt mich und zieht mich mit. Und schon liegt er vor mir, der erste Wegpunkt des heutigen Tages.

Aber das war´s noch nicht. Der Wörthersee ist zwar schön, aber wenn ich jetzt wieder nach Hause fahre, hab ich was versäumt. Italien, das Sehnsuchtsland längst vergangener und hoffentlich wieder kommender Urlaube liegt so nah. Das Schöne dabei – es muss gar nicht ans Meer gehen. Es reicht, die heute fast unsichtbare Grenze zu überqueren und schon ist die Welt eine andere. So nah und doch so fern der Heimat.

Und auch in Tarvisio, San Leopoldo oder Pontebba stört nichts die selbstauferlegte Nachdenklichkeit des heutigen Tages. Die kleinen Orte im Kanaltal scheinen ausgestorben. Kaum Menschen auf der Straße, wenig Verkehr. Die Gedanken kreisen um das Leben daheim und unterwegs. Um verpasste und glücklicherweise wahrgenommene Chancen in der Vergangenheit. Um Wünsche, aber vor allem Pläne und Vorsätze für die Zukunft. Um Fehler, die man jeden Tag macht. Die man bereut, die sich aber kaum vermeiden lassen. Und die einen zu der Persönlichkeit gemacht haben, die man ist. Mit Ecken und Kanten, mit Fehlern und Selbstvorwürfen. Aber auch mit Stärke, Zuversicht und der Kraft, manches doch noch ändern zu können.

Heimwärts. Es hilft ja nichts. So ein Tag auf der Straße, frei wie ein Vogel, ohne Verpflichtungen, geht viel zu schnell zu Ende. Mit im Gepäck sind manche Erkenntnis, der eine oder andere Vorsatz und zahlreiche Ideen. Tage, an denen die Seele fliegen darf, kommen nicht häufig vor. Aber es wäre dann ja nichts Besonderes mehr. Wie der Plattensee wohl im Jänner aussieht?

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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