Bad Ischl im Gentleman´s Car & Die Überraschung hinter grauen Mauern

Wer im Sommer in die Kaiserstadt Bad Ischl reist, muss standesgemäß aufkreuzen. Was könnte da passender sein als eine große Limousine in Dunkelblau-Métallisé, mit Hinterradantrieb und klassisch-elegantem Styling?

Oh jaaa, genau so muss das ausschauen! Ein Schelm, wer da jetzt an einen profanen W124 gedacht hat. Mich überrascht es immer noch, wie gut dieser Mazda 929 der Generation HC ist. 1986 präsentiert, fährt das Ding immer noch souverän im heutigen Verkehr mit, besticht durch ein sensationelles Fahrwerk, tollen Komfort, hohe Laufruhe und eine solide Verarbeitung, wie sie ein gleich alter Toyota Camry bei weitem nicht bietet. Und der Grinser, wenn man in die Hoteltiefgarage kommt und er zwischen all den SUVs das flachste, optisch längste und ungleich coolere Auto ist – unbezahlbar!

Wer schon mal von Bad Goisern nach Ischl gereist ist, dem ist neben der Bundesstraße sicher schon die unscheinbare, graue Halle aufgefallen, hinter der ein paar Hubschrauber und Kampfjets vergammeln und einwachsen. Dabei handelt es sich um das „MUSEUM FAHRZEUG-TECHNIK-LUFTFAHRT“, wie es die Homepage aus dem Jahr 2002 beschreibt. Aber wenn man schon mal da ist…

Gut, 15€ Eintritt pro Person sind kein Bemmerl, aber man ist ja im Urlaub. An der Kassa vom älteren Herrn hinter der Budl zu meinem schönen, schon sehr seltenen Scorpio beglückwünscht, hab ich mich umgedreht und dann reißt man schon ein Aug´ auf.

Hui, mit so interessanten Exponaten hätte ich jetzt nicht gerechnet. Da stehen sehr spannende Dinge drin, die man in anderen Automuseen so nicht sieht. Viel Militärisches aus aller Welt, aber auch spannende Nischenfahrzeuge für Liebhaber des Besonderen.

Panzermotoren, Wasserwerfer aus der DDR, Ketten-Krads der Wehrmacht, Amphibien-Fahrzeuge der US Army, Traktor-Pulling-Geräte, Gulasch-Kanonen, Flak-Scheinwerfer und vieles mehr. Spannend. Wenn auch etwas bedrückend.

Die klassische „Auto“-Abteilung gibt nicht viel her, wer ein „Automuseum“ im herkömmlichen Sinne erwartet, wird enttäuscht sein. Obwohl ein Exponat definitiv heraussticht und mein Favorit im Museum geworden ist:

Ein russischer GAZ-13 Tschaika, ein Funktionärswagen hoher Politiker und Personen des öffentlichen Lebens in der UDSSR. Im Jahr 2013 habe ich das erste und – bis zum Besuch in besagtem Museum in Ischl – einzige Mal so etwas live gesehen. Bei einem Oldtimertreffen im Weinviertel. Sonst nie vorher und auch nicht mehr danach. Umso größer war meine Freude.

Das Fazit zum Museum?

Hmmm… Grundsätzlich sehr interessant, teilweise spannende Exponate. Und doch bleibt der Eindruck, dass sich schon seit über 20 Jahren niemand mehr so richtig drum kümmern dürfte. Die Reifen vieler Exponate platt, die Zustände teilweise schlecht, das Freigelände abgesperrt und sehr lieblos präsentiert. Die Homepage sehr retro, das Gebäude alles andere als einladend. Da könnte man viel mehr draus machen. Und doch gibt es viel zu sehen und auch zu bestaunen. Ist es 15€ wert? Für in der Wolle gefärbte Auto- und Technikfreaks definitiv. Sonst eher nicht.

L

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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