Jetzt hat der Europäer den Einfall der Japaner in den 1960er und -70ern vertaut und die Koreaner haben sich einen Namen gemacht. Alles durchschaubar, sooo viele Marken waren das ja nicht.
Aber mit den Chinesen, da schaut die Welt jetzt anders aus. Seit einigen Jahren stürzen sich scheinbar unzählige chinesische Marken und diverse Hersteller auf den europäischen Markt und so richtig auskennen tut sich keiner mehr. Was ist was und wo gehört wer dazu? Versuchen wir mal, da etwas Ordnung ins Chaos zu bringen.
MG ist wohl die chinesische Marke mit der längsten ernstzunehmenden Marktpräsenz in Österreich. Sie gehört zum staatlich geführten SAIC-Konzern, von dem bei uns auch noch die Marke Maxus vertrieben wird.

Die aggressivste Werbung machen in den letzten Wochen Jaecoo und Omoda. Zwei Marken, die aber immer gemeinsam auftreten. Warum eigentlich? Weil sie beide zum staatlichen Chery-Konzern gehören und nur für den Export von SUVs nach Europa gegründet wurden. Chery als eigene Marke wurde vor kurzem auch in Österreich eingeführt, iCAUR wird folgen. Unter diesem Namen werden wohl elektrische Geländewagen angeboten.

Polestar und Smart gehören beide genauso wie Volvo zum Geely-Konzern. Lynk & Co kennt man hierzulande nur mit niederländischen Kennzeichen, angeblich gibt es sie mittlerweile aber auch offiziell bei uns zu kaufen. Zeekr und Lotus als Elektromarke angeblich auch. Und Geely als Basismarke wird wohl bald folgen.

Der weltweite Marktführer bei E-Autos, BYD (Build Your Dreams, eigentlich BǐYàDí), ist mittlerweile auch ganz groß am heimischen Markt angekommen. Denzel sei Dank. Denza als Luxusmarke von BYD soll folgen.

XPeng wurde bei uns bekannt, als man bei Magna in Graz eine CKD-Fertigung begonnen hat. Verglichen mit bisherigen Montageaufträgen (BMW, Mercedes-Benz etc.) waren die Politik und die Medien da aber sehr still. VW nutzt die Plattform und die Software von Xpeng, um ab 2026 neue Elektro-Modelle speziell für den asiatischen Markt zu bauen.

DIe Marke Aion, von der staatlichen GAC-Group (Guangzhou Automobile Industry Group Co., Ltd.) aus dem Hut gezaubert, trifft in Sachen Öffentlichkeitswahrnehmung ein ähnliches Schicksal. Gebaut in Graz, aber von der heimischen Politik und den Medien totgeschwiegen. Man nimmt den Auftrag mit, schämt sich aber fast und möchte sich nicht der Schmach aussetzen, dass man jetzt für den chinesischen Staat Autos zusammenstecken darf, die woanders effizienter entwickelt werden.

Leapmotor, wie so viele andere China-Marken auch erst 2015 gegründet, nutzt ein globales Joint Venture mit dem Stellantis-Konzern. Der Vertrieb in Österreich erfolgt direkt über das dichte, bestehende Händlernetz von Marken wie Fiat, Peugeot und Opel.

Nio ist wohl seit Herbst 2025 auch in Österreich aktiv, hat sogar schon die Submarke FireFly präsentiert. Gesehen hat sie jedoch kaum jemand. In Deutschland mehren sich aber schon die Gerüchte, dass es mit Nio wohl bald wieder vorbei sein könnte.

Der Changan-Konzern bietet seine Modelle zwar nicht unter dem originalen Namen Deepal bei uns an, kaufen kann man sie aber trotzdem. Der Mazda 6e und der Mazda CX-6e basieren beide auf Deepal-Modellen und werden auch in China gebaut.

Fassen wir zusammen:
SAIC (MG, Maxus), Chery (Chery, Omoda, Jaecoo, iCaur), Changan (Deepal/Mazda) und GAC (Aion) sind Staatskonzerne.
Geely (Volvo, Polestar, Lynk & Co, Zeekr, Geely, Lotus), BYD (BYD, Denza), Leapmotor, XPeng und Nio gehören zu den größten privat geführten Autoherstellern Chinas.
Unübersichtlich, oder? Und das Absurde ist – Da gibt es noch viel mehr Marken, die wir in Österreich nicht kaufen können und von denen wir noch nie was gehört haben. Seien es in anderen Teilen der Welt schon gut eingeführte Namen wie HongQui, Great Wall, Jetour, Wuling, Avatr, Xiaomi, Aito oder völlig unbekannte Kleinhersteller wie LingBao, Yudo und Livan. Angeblich sollen hunderte Hersteller existieren oder existiert haben. Viele sind gekommen und recht schnell wieder verschwunden. Ein bisschen so wie in Europa vor dem zweiten Weltkrieg, als es in jeder größeren Stadt mindestens einen Auto- oder Motorradhersteller gab.
Aber auch in Europa fängt die Marktbereinigung der Chinesen schon an. Der in Deutschland mit einem Achtungserfolg angekommene Hersteller Aiways musste Insolvenz anmelden und ist schon wieder Geschichte.

Und dann gibt es da noch die grauimportierten Marken und Modelle wie Forthing, BAW, DFSK und andere, die von engagierten Händlern in homöopathischen Dosen angeboten werden.
Zum Abschluss sei mir noch meine persönliche Meinung als Mr. Japan-Oldies und „alter, weißer Mann“ gestattet:
Ich muss gestehen, ich tun mir sehr schwer mit „den Chinesen“. Warum? Weil sie meiner Meinung nach seelenlose Marketing-Produkte sind. Die unzähligen, teilweise erst in den 2010er Jahren beliebig gegründeten Marken inklusive Kunstnamen genauso wie die austauschbaren Modelle. Scheinbar alle übertreffen sich mit Systemleistungen, mit Ladezeiten und mit Software-Gadgets. Und doch ist einer wie der andere. Ein Brilliance BS6 oder der Landwind hatten noch Charakter, auch wenn es vielleicht keine guten Autos im herkömmlichen Sinn waren. Der fehlt den aktuellen Chinesen, die nach Europa kommen, in meinen Augen völlig.
Hinzu kommt – Da drängen jetzt so viele Marken in den Markt. Es wird wohl bei Zeiten eine Marktbereinigung stattfinden. Hersteller werden sich wieder zurückziehen. Gerade bei so stark Software-basierten Produkten wie aktuellen chinesischen Elektroautos ist der Support des Herstellers aber essentiell, um das Auto am Laufen zu halten. Die Besitzer von Aiways-Modellen in Deutschland stehen jetzt vor dem Problem wertloser Fast-Neuwagen.
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