Sorry, das war ein Tippfehler. Provinz hätte das heißen sollen. Aber wie bin ich da hingekommen und warum das alles? Gemach, ich erzähl es euch ja schon.
Mir ist auf den letzten Fahrten mit meinem „Blauen HC“ aufgefallen, dass es nach der Ankunft immer irgendwie komisch riecht. Leider waren nicht meine Fahrtziele olfaktorisch spannend, sondern die Bremse hinten links. Kolben schwergängig, Bremse hängt, Fahrt beendet. Schöner Schaas. Aber nicht tragisch, Reparatursätze gibt´s dankenswerterweise zu kaufen. Nur in die Werkstatt fahr ich so nimmer.

Wo geht er hin, ARBÖ sei Dank? Nach Stubenberg am See. Denn dort schrauben Franz und Chrisi, die zwei Japan-Oldie-Flüsterer. Egal ob Subaru, Mitsubishi oder Mazda, solange es aus Japan kommt, sind sie in ihrem Element. Ach ja, wenn nichts zu schweißen ist, freuen sie sich besonders.
Schnell ist er repariert, der Bremssattel hinten links. Dass sein Kollege hinten rechts auch gleich zum richtigen Zeitpunkt – am Bremsenprüfstand – den Dienst quittiert hat, war Glück im Unglück. Wenn sie schon dabei sind, die Herren… Und dann war er fertig. Abholbereit. Jetzt muss ich nur noch hin kommen. Öffentlich. Einmal quer durch die Steiermark. Kann so schwer nicht sein, in Zeiten des Öffi-Ausbaus. Oder doch?

Das fängt ja gleich gut an. Ob sich der Bus, den ich in Graz erwischen muss, da noch ausgeht? Fraglich. Aber ich komme nicht dazu, mir während der Zugfahrt darüber Gedanken zu machen. Denn der Betriebsausflug eines Dienstleistungsunternehmen des öffentlichen Rechts, dessen Teilnehmer im 8 Uhr früh Dosenbier zischen und lautstark durch den Waggon schreien, lenkt mich perfekt ab.
Am Hauptbahnhof in Graz zeigt sich dann aber schnell, dass meine Zweifel berechtigt waren – der Bus ist weg. Blöd. Nehm ich halt den Nächsten. Der fährt aber erst in einer Stunde und im tiefsten Hartberger Hügelland werd´ ich dann keinen Anschluss haben… Macht nichts, das ist ein Problem für mein Zukunfts-Ich.

Und plötzlich steh ich in Untertiefenbach bei Hartberg an der B54. Mit meinem Rucksack, aus dem die Kennzeichen rausschauen. Gut 10km von meinem Ziel entfernt. Der Bus, der dieses Problem lösen könnte, kommt in knapp 1 1/2 Stunden. Warten? Ums Verrecka ned! Selbst ist der Mann. Also nehm ich mein Schicksal in die Hand und delegiere die Aufgabe an meine Füße. Kann so tragisch nicht sein…

Von Untertiefenbach gehts unter misstrauischen Blicken der hochbetagten Bevölkerung über Obertiefenbach nach Vockenberg. Und von dort über Schielleiten weiter nach…

Wow! Stubenberg! Schön ist es schon. Da kann keine Postbus-Fahrt mithalten. Sonne im Herzen und im Gesicht, eine schöne Gegend, so mag ich das. Wie lang ich wohl unterwegs war… Zwei Stunden? Keine Ahnung, ich hab nicht auf die Uhr oder aufs Handy geschaut, sondern die Freiheit genossen.
Und, ist Öffi-fahren empfehlenswert? Wenn man so wie ich bei schönem Wetter und ohne Termin oder Zeitdruck unterwegs sein kann und will, dann ja. Wenn man nach Hause will, irgendwo sein muss oder einfach nur seine Ruhe haben will – Vergiss es!
„Und was fährst du…?“

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