Im letzten Artikel hab ich euch nach Anthiesenhofen mitgenommen. Zu einem grünen Mazda 929L, der im Inserat großartig ausgesehen, sich aber als vernachlässigte Standuhr entpuppt hat. Aber wo ist das Problem? Technik kann man doch erneuern. Oder nicht?
Ein Mercedes-Benz W123 „200“ in diesem Zustand, mit Velours-Innenraum, 60.000km auf der Uhr und in Originallack, würde locker mehr als 5.000 Euro kosten und bringen. Ein BMW E12 „518“ wohl auch. Warum ist es dann so schwer, einen noch deutlich selteneren 929Legato in gute Hände zu bringen, die ihn wieder reaktivieren?

Weil der W123 oder der E12 einen Markt haben. Der 929L aber nicht wirklich. Ein technisch komplett überarbeiteter, vergleichbarer W123 oder E12 im Originallack mit überschaubarer Historie kostet beim Händler zwischen 10.000 und 15.000€. Sammler und Enthusiasten reißen sich drum. Ein richtig guter 929L bringt vielleicht die Hälfte, mit etwas Glück. Der Kreis potentieller Käufer ist an einer Hand abzählbar. Der 929L ist nicht Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses. War immer schon eher Randerscheinung und Nischenmodell. Wird nicht seit Jahrzehnten in sämtlichen deutschsprachigen Oldtimerzeitschriften gehypt. Auch selbsternannte Autoexperten kennen ihn oft nicht.

Zusätzlich kommt noch das Thema „Ersatzteilbeschaffung“ dazu. Für den W123 oder einen E12 5er gibt´s Teile. Bei weitem nimmer alles, aber an Verschleißteilen herrscht kein Mangel. Ein neuer Tank, Fahrwerksgummis, Bremsscheiben und -sättel… Alles verfügbar. Für den Mazda 929L gibts davon so gut wie nichts mehr. Wer nicht über ein prall gefülltes Lager in der eigenen Garage für genau dieses Modell verfügt oder zumindest die richtigen Leute lang genug kennt, wird es sehr schwer haben. Kein Wunder, dass ein 929L mit Investitionsbedarf für 5000€ keinen Käufer findet.

Und dann gibt´s da das heikle Thema des Fahrzeugwerts. Die Japaner-Szene ist sehr kostensensitiv. Weil sie es gewöhnt ist, dass ihre Autos, meist Außenseiter ohne Lobby, seit jeher günstig zu haben waren. Mancher fährt sogar aus genau diesem Grund Japan-Oldie. Weil es billiger ist als deutsche oder amerikanische Klassiker zu bewegen. Aber sind sie zu recht immer noch billiger? Leider ja.

Warum? Weil es kaum Ersatzteile gibt, ist es schwer, Standschäden unkompliziert zu richten oder Schäden zu beheben. Aufgrund der endenwollenden Bekanntheit ist auch die Nachfrage gering und das hält den Markt sehr klein. Die Garagen der Enthusiasten sind voll, Nachwuchs für diese Autos kaum vorhanden.
Noch eine Tatsache kommt dem Legato in die Quere. Normale Autos ohne großen Motor, sportlicher Karosserieform oder besonders viel Leistung bleiben auch im Alter preislich recht überschaubar. Ein Opel Rekord E1 oder ein 1980er Ford Taunus bringen auch keine 10.000€, nicht einmal „in gut“.

Aus diesen Gründen steht der „Verwandte aus dem Innviertel“ leider gerade am Scheideweg. Sein Besitzer hat keine Ahnung von der Szene und dem Markt für dieses Auto. Alleine wird er es nicht schaffen, den Wagen durch zu reparieren. Im Idealfall lässt er ihn weiterhin trocken stehen, bis ihn einer der wenigen Szenekenner günstig (<3000€) an Land ziehen und als Projekt angehen kann. Sollte er die Nerven wegschmeißen und ihn auch, wäre es schade um ein unverbasteltes Auto mit großartiger Substanz.
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