Alternativen unter der Haube – Teil 4: Das Elektroauto

Bei den Hybrid-Spielarten kennen wir uns jetzt schon aus. Zeit, die eingeschlagene Richtung konsequent zu Ende zu gehen. Schauen wir uns das – gerade unter Autofreaks – so umstrittene Elektroauto an.

Ein Elektroauto, auch Batterie-elektrisches Fahrzeug genannt, verzichtet komplett auf einen Verbrennungsmotor. Es wird ausschließlich durch einen oder mehrere Elektromotoren angetrieben, die den dafür benötigten Strom aus einem im Fahrzeug verbauten Akku beziehen. Relativ simpel, zumindest auf den ersten Blick.

Tiefergehende technische Details wie die unterschiedlichen Arten von Elektromotoren (fremd- & permanenterregter Synchronmotor, Asynchronmotor) will ich euch ersparen. Außer es interessiert euch ausdrücklich, dann reiche ich es euch im Rahmen eines Technik-Specials nach.

Die Menge an Strom im Akku wird in Kilowattstunden (kWh) gemessen. Die meisten Elektroautos haben Akkus zwischen 30 und 100 kW/h Fassungsvermögen. Der Verbrauch bei Elektroautos liegt je nach Fahrzeugklasse und Effizienz zwischen unter 12 und bis über 30 kWh auf 100km. Dadurch errechnet sich das große Thema – die Reichweite.

Das meistdiskutierte Thema beim Elektroauto ist die Angst vor zu geringer Reichweite. In der Regel geäußert von all jenen, die noch nie ein Elektroauto gefahren sind. Oder von Prof. Fritz Indra, der ständig bereit sein muss, eine erkrankte Bekannte im 800km entfernten Krankenhaus zu besuchen. In der Realität spielt die Reichweitenangst für den Großteil der Autofahrer aber keine Rolle mehr. Vor einigen Jahren, als die Akkus noch kleiner waren, lagen die Reichweiten bei 100 bis 150km. Wenig, keine Frage. Innerhalb von wenigen Jahren hat sich mittlerweile aber so viel getan, dass die meisten aktuellen Elektroautos mit einer Akkuladung zwischen 250 und 500km weit kommen.

Am Beispiel der Renault Zoe wird der rasante Fortschritt deutlich. Zu Beginn der Bauzeit lag die Reichweite der Zoe mit einer Akkuladung, die 22 kWh umfasst, bei etwa 120 bis 150 Kilometer. Die aktuelle Zoe, streng genommen nur ein großes Facelift, kann bei gleicher Akkugröße 52 kWh bunkern und kommt damit um die 350 Kilometer weit. Bei mehr Leistung und deutlich besseren Fahrleistungen, alles innerhalb von wenigen Jahren. Und wenn der Akku leer ist, muss das Auto ja auch nicht weggeworfen werden.

Das Thema Laden ist für viele Autofreaks ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zeit, das zu ändern. Bei handelsüblichen Elektroautos besteht die Möglichkeit, mit Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC) zu laden. Wechselstrom, sprich AC, funktioniert ein- oder dreiphasig mit dem Typ2-Stecker. Je nach Ausstattung des Fahrzeugs lädt ein Akku mit Wechselstrom zwischen 6 (einphasig) und 22 kWh (dreiphasig) in der Stunde. Die Schnellladung mittels Gleichstrom per CCS-Stecker geht deutlich schneller vonstatten. Je nach Modell zwischen unter 50 bis knapp 300 kWh. Wobei die Ladekurve das Ladetempo stark beeinflusst. Nicht unter allen Bedingungen und nicht bei allen Akkuladezuständen lädt ein Akku gleich schnell. Für die meisten Fahrzeuge aber gilt, dass mit CCS von 20 auf 80 Prozent zwischen einer halben Stunde und einer Stunde geladen werden kann. Bei manchen Ladesäulen sogar immer noch gratis!

Und die Umwelt… Kann denn endlich mal jemand an die Umwelt denken?! Auch da sieht es nicht so übel aus. In den letzten Jahren gabs ja zahlreiche Studien und Experten-Meinungen, die dem Elektroauto eine ganz üble Umweltbilanz angedichtet haben. Es sei „schlimmer als der Diesel“ und der Untergang für die Atacama-Wüste. Mittlerweile sind die meisten dieser vermeintlichen Fakten widerlegt, einige Studienautoren haben sogar kleinlaut eingeräumt, dass ihre Studien schlicht falsch oder fremdbeeinflusst waren. Sachlich müssen wir festhalten, dass das Elektroauto sehr wohl umweltschonender ist als ein Benziner oder Diesel. Denn auch der Verbrennungsmotor braucht seltene Erden und die Herstellung wie auch der Transport von Benzin und Diesel sollten in die Umweltbilanz mit eingerechnet werden, um fair zu bleiben. Der ÖAMTC sieht das dann so:

Die Elektroauto-Vorteile:

  • Das Elektroauto macht den Alltag von Otto und Hildegard Normalverbraucher deutlich problemloser. Es gibt kein Einfahren und Warmfahren mehr. Kurzstrecken sind nicht schädlich für die Technik. Es entfällt der Großteil der Wartungs- und Reparaturkosten.
  • Das Fahren macht Spaß. Durch das unmittelbar anliegende Drehmoment, ohne erst Ladedruck oder Drehzahl aufbauen zu müssen, ergibt sich eine entspannte Fahrweise, weil der Elektromotor am Gas hängt wie ein Vergaser in Zeiten von mechanischem Gaszug und fehlender Abgasreinigung.
  • Über den gesamten durchschnittlichen Lebenszyklus des Fahrzeugs kommt ein Elektroauto deutlich günstiger als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Vor allem, solange es noch die Möglichkeit der Gratisladesäulen gibt.

Die Elektroauto-Nachteile:

  • Für jeden Nutzer ist das Elektroauto nicht geeignet. Wer täglich mehrere hundert Kilometer Autobahn runterreißen muss und dazwischen keine Pausen machen darf, muss einem nicht nur leid tun, sondern sollte sich auch kein Elektroauto kaufen. Da ist ein Diesel immer noch die bessere Wahl.
  • Das Ladechaos existiert wirklich. Nicht jede Ladesäule funktioniert, nicht jede Ladesäule akzeptiert jede Ladekarte. Nicht jede Ladesäule ist frei. Und nicht jeder Autofahrer ist bereit, sich ins Thema der verschiedenen Ladekarten und Stromabrechnungssysteme einzuarbeiten.
  • Im Vergleich zu Verbrennern ist der Ankaufspreis von Elektroautos immer noch deutlich höher. Er relativiert sich aber im Zuge der Nutzung.

Für wen ist es geeignet: Das Elektroauto ist für all jene Autofahrer ideal, die täglich ihre innerstädtischen Kurzstrecken runterradeln und die sich keine Gedanken über verkokte AGR-Ventile, sauteure VTG-Turbolader, gelängte Steuerketten oder Motorschäden durch defekte Injektoren machen wollen.

Die Querlenker-Sicht der Dinge: Das schon pathologische Geschimpfe klassischer Autofans, dass Elektroautos der Untergang des Individualverkehrs wären, ist nur noch peinlich. Der Großteil der „Argumente“, die da gebracht werden, sind schlicht falsch und längst widerlegt. Vor allem für Otto Normalautofahrer birgt das Elektroauto viele ungeahnte Vorzüge. Aktuelle Modelle sind mittlerweile uneingeschränkt im Alltag nutzbar und ein vollwertiger Ersatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Subjektiv aber gibts ein Problem – durch den fehlenden Verbrennungsmotor fehlt mir der fahrzeugspezifische Charakter. Das Elektroauto macht in vielen Fällen Sinn, bleibt für mich aber irgendwie farblos.

Lukas

Im nächsten Teil von „Alternativen unter der Haube“ schauen wir uns das vielfach gehypte Wasserstoff-Auto genauer an. Bleibt neugierig!

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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