Mooneys letzter Flug

Kennt ihr Al Mooney? Ich auch nicht. Aber mit einer seiner Schöpfungen durfte ich Bekanntschaft machen. Und das kam so…

April 2020, mitten im Corona-Lockdown. Ein Freund ruft mich an. Ganz aufgeregt, schließlich sei er grad in freudiger Erwartung. Er – bekannt für seine Autosammlung – hätte was Neues gekauft. Deutlich über 200km/h Reisetempo, Ledersitze, wenige hundert Stück gebaut, Sechszylinder unter der Haube, in gutem Zustand eine sechsstellige Eurosumme wert. Und schon startet mein Kopfkino, es rattern unzählige GranTurismos und Limousinen exklusiver Hersteller vor meinem inneren Auge vorbei. Sehr zum Amusement meines Gesprächspartners, der mich nach quälend langen Minuter erlöst, mir den Namen Mooney nennt und dann auflegt. Na super, jetzt ist die Verwirrung noch größer.

Ein Kurzbesuch im Internetz sorgt schnell für Aufklärung. Ein Flugzeug! Na klar. Al Mooney war wohl der Flugzeugkonstrukteur der texanischen Ölbarone, seine Flugzeuge in besseren Kreisen recht verbreitet in den 60er und 70er Jahren. Auf Nachfrage folgt dann die ganze Geschichte. Die besagte Mooney M20 hat drei Notlandungen hinter sich, seit der letzten ist die Fluglizenz weg. Das Ding muss auf dem Boden bleiben. Das war vor Jahrzehnten und seither steht sie auf dem Privatgrundstück des Besitzers. Dort muss sie weg und weil man während Corona ja auch was Sinnvolles tun sollte, hat er sie gekauft. Als Spielgerüst und Blickfang für den eigenen Garten.

Doch im Ganzen transportieren fällt aufgrund der Flügelspannweite flach. Al Mooney hat aber an alles gedacht. Das Ding kann relativ einfach zerlegt und wieder zusammengesetzt werden. Zumindest dann, wenn man einen ordentlichen Kran zur Verfügung hat. Und nicht nur einen Hoflader und drei motivierte, aber in Sachen Aeronautik völlig unbefleckte Helfer…

Na servas, ganz schön wackelig, das Ding. Aber theoretisch muss es nur angehoben, auf den Flügel aufgesetzt, mit zwei lächerlich dünnen Bolzen – an denen vier Menschenleben hängen – und ein paar Schrauben und Nieten fixiert werden und dann steht der Adler. Aber so einfach ist das nicht…

Aber nach mehreren Stunden, einigen Beinahe-Umkippern des Radladers und zahlreichen nicht jungendfreien Flüchen des Neo-Besitzers steht das Ding endlich dort, wo es hin soll. Jetzt nur noch ordentlich vom Moos befreien, das Interieur einbauen und dann kann es los gehen. Zum ersten Rundflug aufs Ölfeld nach Texas. Oder zumindest ins Marchfeld. Dort soll ja auch so manche Ölpumpe stehen.

Gut, man hätte während des Lockdowns auch Ukulele lernen oder Yoga ausprobieren können. Aber wer kann schon von sich behaupten, eine Mooney im Garten stehen zu haben? Eben!

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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