Leone-Schlachtplatte

Spät abends. Ein aufgeregter Anrufer. Ein Teilelager, das schnell geräumt werden muss. Ein Abrissbefehl. Und eine freudige Überraschung. Klingt nach Spaß.

Das Fernsehprogramm am späten Abend ist wiedermal unterwältigend. Da kommt das vertraute Läuten des Mobiltelefons sehr gelegen. Am anderen Ende ein Freund, der mit hörbar erregter Stimme zur Eile ruft. „Die Subaru-Spezialwerkstätte in der Grabenstraße in Graz muss geräumt werden. Am besten schon morgen. Der Abriss droht!“ Sapperlot, dann bloß keine Zeit verlieren. Tags darauf geht es mit dem Hybrid-Gleiter in aller Früh in den Grazer Norden.

Auf dem Weg in die Grabenstraße muss der Radio schweigen, ich schwelge in Erinnerungen. Wie oft bin ich dort vorbei gefahren, hab über das Schild „Subaru Spezialwerkstätte“ geschmunzelt und sogar den einen oder anderen alten Subaru dort stehen sehen. Besonders positiv ist mir die grüne Leone Turbo RX Limousine in Erinnerung, die dort mit kollabiertem Luftfederfahrwerk sehnsüchtig den vierspurig vorbeizischenden Verkehr beobachtet hat.

Fotografiert im März 2009

Jetzt soll das Areal weggerissen werden. Und das so schnell wie möglich. Die Firma Edelsbrunner, großer Peugeot-Händler, braucht Platz und hat die Werkstatt samt Garagen und Wohnhaus gekauft. Doch vor dem Abriss muss ausgeräumt werden. Denn insbesondere der Dachboden ist voll mit Subaru-Teilen von unzähligen Schlachtfahrzeugen.

Aber Priorität hat das legendäre Schild direkt an der Straße.

Ganz schön verwittert und eigentlich unbrauchbar. Aber mal runter damit, dann werden wir schon sehen. Und es hat sich gelohnt. So eine schöne Überraschung:

Jetzt aber ab auf den Dachboden, bevor die Bude von selbst zusammenfällt. Bei gefühlten 70 Grad offenbart sich das ganze Ausmaß der Schlachtplatte:

Unzählige Türen und Heckdeckel von zahlreichen Justys, Leones und Domingos. Eine absurde Menge Stoßstangen für Legacy und Impreza. Sitze, Armaturen, Scheiben uvm.. Großteils aber stark patiniert, verrostet, verbeult oder komplett versifft. Und so findet nur ein kleiner Teil des Bestandes den Weg auf den Anhänger und ins Teilelager der größten Subaru-Sammlung Europas.

Müde, schmutzig, verschwitzt und mit topsauberer Arbeitskleidung (Umziehen vergessen…) geht´s am Abend wieder heimwärts. Wieder bleibt der Radio stumm. Jetzt drehen sich die Gedanken um den Besitzer des Betriebes, der offenbar nichts wegwerfen konnte. Der alles aufgehoben hat, egal wie verbeult oder rostig es schon war. Und der vor einigen Jahren selbst an einem der Balken des Dachstuhls gefunden wurde.

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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