Die MotionExpo in Graz und ich – eine schwierige Geschichte. Von der Messe 2024 war ich geradezu begeistert. Im Jahr darauf wäre es ohne die Grundmanns ein Reinfall geworden. Geschlossen habe ich letztes Jahr mit den Worten:
Bin gespannt, ob die MotionExpo2026 wieder zu alter Stärke zurückfindet. Wäre wünschenswert, gerade auch für den Messestandort Graz.
Und, hat sie 2026 zu alter Stärke zurückgefunden? Meine Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Wer die Vielfalt und das Engagement gerade der privaten Aussteller im Jahr 2024 gesehen hat, kann auch dieses Jahr nur enttäuscht sein. Was gab´s zu sehen?
Das Highlight heuer – Die Sonderausstellung „100 Jahre Daimler Benz AG“ mit einigen sehr schönen und seltenen Exponaten.





Den Wankel-Prototyp C111 etwa hat man außerhalb des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart noch kaum zu Gesicht bekommen. Über eine von mehreren Renntransporter-Replikas hab´ ich mich auch gefreut. Steht eine – von CMC – doch seit gut 20 Jahren in 1:18 auch in meinem Büro.
Die „ClassicCarConvention“ am Samstag, mit Podiums“diskussionen“ zu den immer gleichen Themen rund um Wertsteigerungspotentiale und Mainstream-Klassiker, ist mittlerweile auch obsolet. Neue Themen und frische Teilnehmer könnten es retten. KR Steinbacher und Co. wohl eher nimmer.
Und sonst so?
Bei den Neuwagen ist insbesondere der neue Renault Twingo ins Auge gestochen. Dass sich ein Autohersteller traut, eine Retro-Studie fast unverändert in Serie zu bringen, find´ ich sensationell und aller Ehre wert. Dass das Armaturenbrett viel zu hoch aufbaut und die Sicht nach vorne stark einschränkt, ist die andere Seite der Medaille.


Mein stiller Held der Messe – Der aktuelle Suzuki Swift! Ein ehrlicher Kleinwagen für 20.000€, verfügbar mit Schaltgetriebe und Allradantrieb. Mit konventionellen, zweiteiligen Bügeltürgriffen und richtigen Armaturen samt physischer Zeiger. Mit einer manuellen Handbremse. Mit echten Tasten und Knöpfen im Innenraum. Richtig schön OldSchool, das Ding. Kaufen!

Besonders auffällig – Das immense Interesse an den teilweise völlig unbekannten Instant-Marken aus China. Egal ob XPeng, Chery, Omoda, Aion oder andere. Gut, XPeng und Aion werden bei Magna in Graz gebaut. Trotzdem verstehe ich es nicht ganz.
Als die Japaner in den 1970ern kamen, war der Aufschrei groß. „Gelbe Gefahr“, „MeinAutoZerstörtDeutscheArbeitsplätze“, was hat man sich echauffiert. Dann kamen Anfang der 1990er die Koreaner. Verkauft über den Preis, der Weg zur akzeptierten Alternative zu europäischen und japanischen Herstellern war hart und lang, die Skepsis groß. Bei den Chinesen hingegen stürmt man die Stände, sitzt in den Fahrzeugen und tippt sich stupide auf den riesigen Bildschirmen durch die Untermenüs…





Gefühlt sind sie fast alle SUVs der Kompaktklasse, fast alle elektrisch und so gut wie alle von staatlich subventionierten Herstellern, die noch keine 10 Jahre existieren. Aber Hauptsache große Bildschirme zum deppaten Tippen, zum Scrollen und Wischen…
Für Neuwagen-Interessenten mag es ganz spannend sein, auf kleinem Raum vergleichen zu können. Aber für alle Anderen, insbesondere für Young- und Oldtimer-Freaks, war die MotionExpo2026 schon das zweite Mal in Folge eine Enttäuschung! Das lässt für 2027 nichts Gutes hoffen.
Lukas