… lang lebe der König?

Das Ableben des Land Rover Defender in seiner klassischen Bauform hat viele Fans puristischer Geländewagen hart getroffen. Für all jene taucht jetzt eine Lösung am Horizont auf – der Ineos Grenadier.

Zumindest optisch muss sich niemand groß umgewöhnen. Und auch in Sachen Technik gibt´s bekannte Zutaten. Zwei starre Achsen, und ein massiver Leiterrahmen sorgen für Robustheit und Geländegängigkeit. Ineos – kein Autobauer, sondern Chemiekonzern – holte sich Spezialisten ins Team, um den Grenadier abseits der Straße auch wirklich so auftrumpfen zu lassen, wie es die Optik verspricht. Rahmen und Fahrwerk wurden bei Magna in Graz entwickelt, die Achsen kommen vom Zulieferer Carraro aus Italien. Unter der Haube stecken Sechszylinder-Motoren und Automatikgetriebe von BMW. Eine wilde Mischung. Aber sooo neu ist das ja nicht.

Der Santana PS-10 – vor etwa 15 Jahren auch bei uns in Österreich erhältlich, aber nur in kleiner Stückzahl verkauft – hat auch versucht, den Platzhirsch Defender vom Thron zu stoßen.

Mit einem Motor von Iveco, einem Blattfederfahrwerk ala Postkutsche und einer Blechkarosserie wäre er eine gute Alternative zum Defender gewesen. Durchgesetzt hat er sich aber nie. Sein Hang zum exzessiven Rosten und einige Qualitätsprobleme sorgten dafür, dass die wenigen hiesigen Exemplare schnell wieder verschwanden.

Gleich erging es nur wenige Jahre danach dem Iveco Massif . Auch er sollte dem Defender Kunden stibitzen.

Auch er setzte auf Iveco-Motoren. Und auch er stolperte über den fehlenden Kultfaktor in Verbindung mit teils kreativer Verarbeitung und fehlender Vorbereitung auf heimische Salzwinter. Verschwunden und vergessen. Aber eine Empfehlung für Sammler. Denn sowas hat bald niemand mehr.

Und der Grenadier?

Die Querlenker-Sicht der Dinge: Ich freue mich, dass die Nische der echten Offroader doch nicht auszusterben scheint. 2021 soll der Grenadier zu haben sein und angeblich wird er günstiger als der neue Defender. Was mich ein wenig nervös macht ist die Wahl der Motorisierung. Wie robust, haltbar und zuverlässig die BMW-Hightech-Diesel bei Hard Usern auf der SuperKarpata oder in der Sahara sein werden, bleibt abzuwarten. Sein schwerster Kampf wird aber jener gegen den fehlenden Kultfaktor. Dem Defender wurde von seinen Fans beinahe alles verziehen, weil es ein Defender war. Ob der Grenadier es schafft, sich nicht nur in die Köpfe, sondern auch in die Herzen der ehemaligen Defender-Zielgruppe zu fahren, wird sich zeigen. Im schlimmsten Fall ergeht es ihm wie dem Santana PS-10 und dem Massif.

Lukas

Veröffentlicht von Lukas

Mit Herz und Hirn - immer hinterm Lenkrad und am Puls der Straße.

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