Keiner sieht ihn, niemand hat ihn auf dem Schirm. Auch ich habe ihn lange maßlos unterschätzt, mittlerweile schäme ich mich ein wenig dafür. Jetzt, pünktlich zur vierten Umrundung der Erde, ist es Zeit für eine kleine Lobeshymne.
Im Frühling 2018 war mein Leben dabei, sich zu ändern. Mein zweiter Sohn, Ludwig, hat sich angekündigt. Bis dahin musste ein Auto her. Ich wollte was Neues, um das Thema Alltagsauto stressfrei abhaken zu können. Zumindest für 3 Jahre, bis die Garantie aus ist. Ich wollte einen klassischen Kombi, kein SUV. Und ich wollte was mit alternativem Antrieb. Und da gab es, 2018, nur diesen hier: Den Toyota Auris TS Hybrid.

Eigentlich ein Corolla E18, den man aufgrund eines fehlgeschlagenen Marketing-Experiments, „Auris“ getauft hat. Wie seinen Vorgänger auch schon. Der E18 kam 2013 auf den Markt, schon 2015 gab es ein großes Facelift und 2018 war sein letztes Modelljahr, bevor der Nachfolger übernommen hat. Wieder unter dem Namen Corolla, übrigens.
Eigentlich hat er mir gar nicht besonders gut gefallen. Die steile Schnauze, die über-designten Heckeuchten, die verchromte Knubbelnase… Aber das Interieur fand ich optisch immer schon sehr ansprechend. Und weil ich das beim Fahren viel öfter sehe als die Schnauze, hab ich ihn gekauft. Aber nicht beim Toyota-Händler im Ort, sondern bei Toyota Frey im Arsenal in Wien.



Warum? Weil ich immer schon einmal ein Auto im berühmten Poppitz-Schauraum kaufen wollte. Beim Schmied (sprich Importeur), nicht beim Schmiedl. Mittlerweile gibt es Toyota Frey nicht mehr und der legendäre Schauraum in der Lilienthalgasse ist eine „Event-Location“. Da freut es mich umso mehr, dass ich mir diesen Wunsch rechtzeitig erfüllen konnte. Am 29. Mai 2018 hab ich ihn abgeholt.

Übernommen hab ich ihn mit Kilometerstand 7, das erste Foto hab ich auf der Tankstelle bei Kilometerstand 9 gemacht. Und dann folgten acht abwechslungsreiche Jahre im Leben meines Auris und auch in meinem Leben. Höhen und Tiefen, schwere und luftig-lockere Tage, Reisen ins Ausland und tägliche Wege. Und vor einigen Tagen dann der kleine, große Moment:

Hundertfünfzigtausend oft harte, gemeinsame Kilometer. Was war zu tun, in der Zeit?
Im ersten Winter gleich gab es einen neuen Klimakondensator, ein Steinschlag auf der Autobahn hat ihn leck geschlagen. Da kann der Auris nichts dafür, den Kondensator gab es sogar auf Garantie. Und sonst? Einmal neue Bremsbeläge bei 90.000km. Thats it. Ehrenwort! Keine Koppelstange, kein Radlager, kein AGR-Ventil, kein gar nichts! Sogar die Bremsscheiben sind vorne wie auch hinten noch die ersten. Dass die Front ausschaut wie sandgestrahlt… geschenkt.

Und er war immer schon sehr günstig. Im Unterhalt (Steuer & Versicherung für 98 PS bei 136PS Systemleistung) und im Verbrauch (4 bis 6,5 Liter). Und jetzt, mit jedem zusätzlichen Jahr, schlägt sein Pendel weiter in die richtige Richtung aus. Warum? Weil er als Voll-Hybrid keine Lichtmaschine hat. Keinen Starter. Keinen Riementrieb. Keinen VTG-Lader. Keinen Zweimassenschwung. Weil es ein simpler Saugrohr-Einspritzer mit einer unzerstörbaren Steuerkette (Ja, VW & BMW, das gibt es wirklich!) ist. Weil er einen praktisch verschleißfreien Planetenradsatz hat, statt ein CVT-Getriebe oder eine Doppelkupplung. Und weil Toyota in Österreich die Garantie von 3 Jahren/100.000km auf 10 Jahre/160.000km erhöht hat.

Meine Alltagsautos vor ihm waren meist nach 2 Jahren fällig für den Austausch. Nicht aus technischen Gründen. Sie wurden mir schlicht zu langweilig. Der geniale, umstrittene, unbestreitbar haltbare Toyota Hybridantrieb aber, der fesselt mich noch immer. Ich find ihn nach wie vor genial. Entdecke immer noch neue Seiten an ihm. Genieße seine ruckfreie Samtigkeit. Seine smoothe Charakteristik. Seinen hohen Antriebskomfort. Und seine unbedingte Problemlosigkeit, auch in schweren Zeiten.
Für die ersten 75.000 Kilometer hatte er sechs Jahre Zeit, die zweiten 75.000 Kilometer musste er in den letzten zwei Jahren absolvieren. Die dritten 75.000km werden hoffentlich wieder etwas länger dauern. Aber eines ist sicher – Er wird sie genauso problemlos abspulen wie jeden einzelnen Kilometer davor. Danke, du stiller Held!
L