Insbesondere dann, wenn man plötzlich feststellt, dass es in manchen Fällen zwischen vermeintlich gegensätzlichen Strömungen mehr Gemeinsamkeiten gibt, als man auf beiden Seiten zugeben möchte.
Und jetzt müsst ihr ganz stark sein, liebe Freunde.
Meine These – Die Japaner der 1980er lehnten sich genau wie die Amis dieser Zeit ans europäische Design an, blieben sich aber insbesondere in Sachen Stil, Einrichtung und Benutzerkomfort ähnlicher, als die Anhängerschaft beider automobiler Randgruppen wahrhaben möchte.


Ok, beruhigt euch und lasst mich erklären. Dafür muss ich aber etwas ausholen.
In den 1970er Jahren versuchten japanische Hersteller, mit amerikanisiertem Design den Geschmack „des Westens“ zu treffen. Heraus kam der berühmt-berüchtigte „Japan-Barock“. Früher verlacht und als schwülstig abgelehnt, heute zurecht als cool gefeiert.



Und dann folgten die schlichteren 80er Jahre. Die meisten europäischen Autos dieser Zeit sind außen und insbesondere im Innenraum betont sachlich und strahlen die Gemütlichkeit einer Ausnüchterungszelle aus. Zumindest dann, wenn man nicht 37 Extras zum Preis eines Kompaktklassewagens dazubestellt hat.



Grobe Stoffe, sehr straffe Sitze, schwergängige Lenkungen, „nüchterne“ Kunststoffe, viel schwarzes Plastik und ein humorloses Design, das auf Funktionalität ausgerichtet ist. Auf viele kompakte Japaner (z.B. den Corolla E9 o.ä.) trifft das leider auch zu.
In der Mittel- und gehobenen Mittelklasse hingegen sind die Japaner der 80er… anders. Verspielter, gemütlicher, heimeliger. Plastik-Chrom-Umrandungen um die Schalter, Wurzelholz vom Plastikbaum, in den Kunststoff eingeprägte Fake-Nähte am Armaturenbrett, flauschige Bodenteppiche bis rauf in die Türverkleidungen und ganz viel weiches Velours. All das gern in Beige, Blau oder Rot. Die Lenkungen leichtgängig, die Lenkräder dünn, die Fahrwerke auf Komfort statt auf Präzision ausgelegt.





Außen Embleme mit Chrom- oder Goldrand, teilweise aufwendig gestylte Radkappen, Chrom-Türgriffe, glänzende Zierleisten, diverse Dekorelemente und bei einigen Modellen auch links- und rechtsgebundene Alufelgen.





Upps, haben sich da schon Amis reingeschmuggelt? Ist gar nicht aufgefallen…
Ihr seht, es ist durchaus eine starke Verwandtschaft in Stil und Machart festzustellen. Ob jetzt der Japaner beim US-Amerikaner abgekupfert hat, sich der eine an den Geschmack des anderen angelehnt hat, alles nur Zufall ist oder es mit der Mentalität der Herkunftsländer zu tun hat, sei dahingestellt und ist eigentlich auch egal. Was sie gemeinsam haben – Die Tatsache, dass früher bei Japanern gleich wie bei Amis zumindest in den gehobenen Klassen einfach mehr Lametta, Velours und Gemütlichkeit war. Denn der Deutsche, zur gleichen Zeit…

Die Ähnlichkeiten zwischen Japanern und US-Amerikanern hören sich beim Fahrgefühl, bei der Zuverlässigkeit und insbesondere bei der Fertigungsgüte der einzelnen Komponenten aber Gott sei Dank auf. Da waren und sind die Japaner immer schon way ahead, wie der Ami sagt.
Und dann kamen in den späten 1990er Jahren die Koreaner mit ihrer Oberklasse, die noch nicht europäisiert war und einen starken amerikanischen Touch hatte. Aber das ist eine andere Geschichte…


Lukas